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„Konsolidieren statt revolutionieren“

  • Vorspann: Es ist mittlerweile Tradition in bestimmten Abständen mit VIP-Direktor Martin Pinzger ein Gespräch zu führen. Die neue Ernte ist so gut wie eingefahren, jene vom vergangenen Jahr abgerechnet. Wir sprachen mit Pinzger über Stimmungen, Erlöse, Erwartungen und nicht zuletzt über den „Apparat VIP“, den es zu erhalten gilt.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Angelika Ploner (Interview und Foto)
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Vinschgerwind:Herr Pinzger: Das Erntejahr 2025 ist abgerechnet. Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Wie ist die Stimmung unter den Bauern?
Martin Pinzger: Differenziert. Unter dem Aspekt der Abrechnung würde ich sagen, dass die Mitglieder in den vergangenen zwölf Monaten ausführlich über unsere Informationen zur Kenntnis genommen haben, dass wir ein schwieriges Vermarktungsjahr hatten. Aber aufgrund der sehr guten Qualität, einem marktgerechten Sortiment, einer effizienten Organisation und einer gut aufgestellten Vermarktung konnten wir mehr oder weniger die Zahlen vom vergangenen Jahr pro Hektar erreichen.

Vinschgerwind: Das heißt die Stimmung ist gut.
Martin Pinzger: Jein. Sie ist durchwachsen. Wenn wir das ganze Sortiment von der Ernte 2025 anschauen, sind schlussendlich doch die Berostungsprobleme beim Envy und die fehlende Erntemenge ein kleiner Wermutstropfen. Im Bio-Bereich hatten wir mit 13 Prozent mehr als im Vorjahr eine Rekordernte, aber kommen trotz mehr Menge auf den Umsatz pro Hektar vom Vorjahr. Das heißt, wir hatten im Durchschnitt bei Bio tiefere Preise.

Vinschgerwind: Auch weil der deutsche Markt gefehlt hat?
Martin Pinzger: Der deutsche Markt war von der nationalen Produktion sehr gut bestückt, also die deutsche Bio-Produktion war stark und wir hatten eine Rekordernte. Das Marktumfeld war schwierig und der Konsum auch nicht immer hilfreich, dadurch hat es schon einige Hürden gegeben, auch für die VIP, auch für den Vinschgau. Trotzdem: Wir haben 2023, 2024 und 2025 ähnliche Erlöse pro Hektar für den Bauer erreicht und das auf einem Niveau, wo man sagt, im Kontext der ganzen Situationen, könnte man auch zufrieden sein.

Vinschgerwind:Das heißt die Stimmung ist durchwachsen und die Erlöse liegen deutlich über 30.000 Euro pro Hektar.
Martin Pinzger: Das hab ich nicht gesagt, aber es ist so. Allerdings im Schnitt, wir haben sicherlich auch Produzenten, die sich nicht so leicht tun. Das hängt oft mit der Situation auf dem Feld ab, das hängt davon ab, wie der Betrieb ausgestattet ist. Aber man muss auch sagen, dass man die 30.000 Euro, die man pro Hektar braucht, um kostendeckend zu arbeiten, mittlerweile auf 35.000 Euro anheben muss. Unsere Latte, wo ich sage, da sollte man unbedingt darüber sein, ist 35.000 Euro, weil landwirtschaftliche Maschinen, Erntehelfer, Pflanzenschutz, Düngemittel, alles extrem gestiegen ist in den vergangenen Jahren. Also, die 35.000 Euro pro Hektar wird der Produzent anpeilen müssen, damit er einen fairen Erlös für seine harte Arbeit erhält.

Vinschgerwind: Welche Sorte ist Spitzenreiter bei den Auszahlungspreisen?
Martin Pinzger: Der Cosmic Crisp. Es ist gibt eine Sorte, die noch höher ist, das ist der Kissabell, aber das ist eine extreme Nische von der Menge her. Aber Cosmic Crisp haben wir immerhin über 1.000 Waggon und da haben wir einen sehr interessanten Preis für unsere Produzenten erzielen können.

Vinschgerwind: Was heißt interessant?
Martin Pinzger: 90 Cent.

Vinschgerwind: Und im Bio-Bereich?
Martin Pinzger: Unwesentlich höher. Bei den Clubsorten gibt es diese große Spreizung eigentlich nicht.

Vinschgerwind: Das heißt der von der VIP propagierte Hoffnungsträger erfüllt die Erwartungen?
Martin Pinzger: Ja.

Vinschgerwind: Wie hat sich das Problem mit dem Stängelstich beim Cosmic Crisp entwickelt?
Martin Pinzger: Es ist so, dass wir bei einem so wichtigen Projekt super motiviert sind, jegliche Hindernisse oder kleineren Probleme bei der Wurzel anzupacken. Wenn wir die abgepackte Ware anschauen, dann sehen wir, dass der Stängelstich das größte Qualitäts-Problemchen ist. Denn man muss sagen, wir haben bei dieser Sorte einen extrem hohen Prima-Anteil, also Markenwarenanteil. Der Cosmic Crisp ist schön ausgefärbt, ist perfekt von der Glattschaligkeit und von der Form her, das gibt es bei keiner anderen Sorte. Aber doch: Wenn wir ein Qualitätsproblem sehen, dann sind das die Stängelstiche. Wir wollen den Cosmic Crisp als Premium-Apfel halten und deshalb darf er keine Makel haben. Deshalb haben wir auch heuer – immer auf freiwilliger Basis – das Angebot unterbreitet, wieder mit Scheren zu ernten. Wir haben vinschgauweit in eine neue Sortiertechnik in allen Genossenschaften im I.P. Bereich investiert, aktiviert und installiert, im Bio-Bereich kommt diese nächstes Jahr. Diese kann die Stängelstiche genau lesen. Bis jetzt haben wir nur Auszählungen gemacht. Jetzt sehen wir bei jedem Apfel: Hat er einen Stängelstich gehabt, ist er mit Scheren geerntet worden? Wir haben also viel besseres Datenmaterial zur Verfügung und sehen für die kommenden Jahre: Macht das Sinn mit Scheren zu ernten oder nicht?

Vinschgerwind: Sollte sich die Ernte mit Scheren bewähren, kommt die Pflicht?
Martin Pinzger: Nein. Es bleibt freiwillig. Denn wenn schon, dann muss man die Spielregeln vorab festlegen.

Vinschgerwind: Ihr zahlt dann einfach höhere Preise aus?
Martin Pinzger: Natürlich braucht es einen Anreiz, denn der Aufwand ist viel größer.

Vinschgerwind: Welche Sorte blieb unter den Erwartungen?
Martin Pinzger: Envy war im Herbst problematisch wegen starker Berostungsprobleme, aber weil die Sorte auf unserem Hauptmarkt Italien extrem gut aufgenommen wird, haben wir – auch mit leicht berosteter Ware – diese sehr gut verkaufen können. Und auch die zweite Qualität haben wir zu einem einigermaßen fairen Preis verkauft. Das Resultat ist deshalb besser, als wir befürchtet haben. Ein schwieriges Projekt, das kann man ganz offen sagen, ist und bleibt SweeTango, da er sowohl im Anbau als auch auf dem Markt herausfordernd ist. Das Resultat ist nicht befriedigend und die Flächen sind auch schon rückläufig.

Vinschgerwind: Ist die Ernte 2025 verkauft? Sind die Lager leer?
Martin Pinzger: Wir haben das ganze Jahr über sehr konform zu unserem Abbauplan die Verkaufsfenster eingehalten. Da waren wir sicher in einer glücklichen Lage. Das spricht auch für unsere Verkaufsmannschaft. Dahinter muss aber auch die Verarbeitung stimmen, sprich, dass die Ware sortiert, verpackt und punktgenau zum Kunden ausgeliefert wird. Da ist das Zusammenspiel der Genossenschaften wichtig und die Mannschaft hat hier sehr gute Arbeit geleistet. Die letzten Golden und die letzten Cosmic Crisp von der Ernte 2025 haben plan- und punktgenau bis am 10. Oktober die Lager verlassen.

Vinschgerwind: Das spricht für die Neu-Organisation der VIP mit dem Verkaufsteam.
Martin Pinzger: Richtig. Auf alle Fälle.

Vinschgerwind: Im Südtiroler Landwirt sagten Sie: Die Qualität der Ernte 2025, bis auf einige Ausnahmen, war eine der besten der letzten Jahre. Die neue Ernte ist angelaufen. Der Gala ist mehlig.
Martin Pinzger: Ja, richtig. Es gibt leider Gottes auch im Vinschgau heuer ein paar Situationen, wo die Reife so schnell von statten gegangen ist, dass der Bauer überrascht wurde und höchste Zeit für die Ernte war. Wir haben im Vinschgau generell eine gute, akzeptable Gala-Qualität, aber wir müssen heuer sicher unsere Gala-Ernte zeitgerecht und punktgenau verkaufen. Also wir können heuer, nicht wie andere Jahre, sagen, unser Gala hält zwölf Monate und wir warten, bis der richtige Verkaufsmoment kommt. Also der Gala muss heuer sicher sehr, sehr zügig abgeschlossen werden und die Konkurrenz muss ihn wie die Feuerwehr verkaufen.

Vinschgerwind: Europaweit wird eine der ertragsärmsten Apfelernten der letzten Jahre erwartet. Insbesondere die Hauptsorten Golden Delicious und Gala verzeichnen starke Rückgänge. Damit dürfte der Vinschger Obstbau goldenen Auszahlungspreisen entgegen sehen.
Martin Pinzger: Das würde ich nicht eins zu eins garantieren, denn das hängt dann wieder vom Markt und von der Qualität ab.

Vinschgerwind: Aber die Zeichen stehen gut.
Martin Pinzger: Das stimmt. Wir haben 9,5 Millionen Tonnen Ernte geschätzt bekommen. Das ist sehr, sehr nieder und da ist vor allem jener der Gewinner, der haltbare Äpfel hat, weil vorauszusehen ist, dass in der zweiten Saisonhälfte eine Verknappung am Markt eintreten wird und dann muss sich der Preis festigen. Das heißt es müssten rund 3 bis 3,5 Millionen in die Verarbeitung zum Beispiel Fruchtsäfte gehen und 6 Millionen auf den Frischmarkt kommen und da müssten wir eigentlich eine Gaudi beim Verkaufen haben.

Vinschgerwind: Ist die Sortenerneuerung abgeschlossen?
Martin Pinzger: Ja.

Vinschgerwind: Anders gefragt: Blicken wir in die Zukunft: Welche Sorte wird in zehn Jahren übrig bleiben, welche weniger und welche verschwinden?
Martin Pinzger: Fangen wir beim Golden an. Der Konsum von Golden ist derzeit deutlich rückläufig. Trotzdem wird das Goldenangebot gleich bleiben, weil die Mitkonkurrenten nicht imstande sind, einen Qualitäts-Golden anzubauen. Wir schon, wenngleich er sehr, sehr schwierig im Anbau ist.

Vinschgerwind: Also Golden bleibt, welche Sorte wird weniger?
Martin Pinzger: Stark, also Red Delicious und SweeTango. Gala hoffe ich wird bleiben, weil wir haben wenig Gala und Gala ist eine Weltsorte.

Vinschgerwind: Welche Sorte wird verschwinden?
Martin Pinzger: Jonagold, Braeburn. Steigen hingegen wird Cosmic Crisp, Envy vielleicht, sollten wir das Berostungsproblem in den Griff bekommen.

Vinschgerwind: Schädlinge und Krankheiten: Was bereitet am meisten Kopfzerbrechen?
Martin Pinzger: Die neuen Themen, die leider Gottes mit fortschreitendem Klimawandel peu à peu näher zum Vinschgau rücken. Da gibt es Viruskrankheiten, die extrem dramatisch für den Produzenten sind, weil er kaum Pflanzenschutzmittel zur Verfügung hat. Diese sind dramatisch für den Bio-Bereich, betreffen aber auch den I.P.Bereich. Da können wir nur Ruhe bewahren und hoffen, dass diese Themen nur langsam näher rücken.

Vinschgerwind: Themenwechsel: Die VIP hat sich im April vergangenen Jahres mit der VOG und mit VOG Products zur Alpoma zusammengeschlossen. Landesrat Luis Walcher formulierte es damals so: „Damit haben wir einen besseren Stand, wenn’s ums Kraut geht.“ Wieviel Kraut holt man denn jedes Jahr von der EU?
Martin Pinzger: Effektiv, es stimmt, bei Alpoma geht es – auch – um EU-Beiträge. Als Zusammenschluss von Erzeugerorganisationen gibt es mehr Fördergelder und es ist unsere Aufgabe und unsere Pflicht diese für unsere Produzenten zu nutzen.

Vinschgerwind: Konkret, wieviel?
Martin Pinzger: Ein einstelliger Prozentsatz von unserem Umsatz. Und man muss sagen, die Fördergelder werden zu über 90 Prozent in die Strukturen in den Genossenschaften investiert, damit alle Produzenten im gleichen Ausmaß einen Nutzen ziehen.

Vinschgerwind: Bleiben wir beim Thema Zusammenschlüsse: Wie konkret ist der Zusammenschluss Alpe und GEOS?
Martin Pinzger: Überhaupt nicht konkret. Unsere Genossenschaften sind sieben und bleiben sieben. Abgesehen davon ist das eine reine Entscheidung von den Vorständen und den Genossenschaften, wir als Verband haben primär die Aufgabe. die Äpfel wertschöpfend auf den Markt zu bekommen.

Vinschgerwind: Bleiben wir beim Verband. Von Produzentenseite kommt immer wieder der Vorwurf an die Adresse der VIP, salopp ausgedrückt: Wir müssen den ganzen Apparat der VIP erhalten und finanzieren. Wie verteidigen Sie als Direktor den „Apparat VIP“?
Martin Pinzger: Der Kostenapparat VIP ist in den vergangenen Jahren stabil, was die Kosten betrifft. Wir haben 2022 den Entwicklungsschritt gemacht und den operativen Verkauf für die Äpfel zu 100% zentralisiert und entsprechend haben wir dadurch eine strukturelle Aufstockung des Mitarbeiterstabs gehabt. Wir haben derzeit 67 Mitarbeiter im Verband angestellt, darunter Voll- und Teilzeitkräfte und wir haben in nächster Zeit keine Erhöhungen geplant, außer wir bekommen neue Aufgaben. Wir haben für 2026 – 2030 eine Strategie erarbeitet, die wir in den Genossenschaften vorgestellt haben. Im Wesentlichen geht es uns darum, dass wir bestimmte positiv greifende Situationen nochmals verfeinern wollen, aber keine großen Entwicklungsschritte oder Revolutionen geplant sind. Das Motto für die Zukunft lautet: Konsolidieren statt revolutionieren.

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Langsam wachsen

  • Vorspann: Helene und Walter Kofler vom Mühlhof in Katharinaberg im Schnalstal leben und arbeiten eng mit ihren Tieren. Auf 1.180 Metern Höhe betreiben sie den Aufzuchtbetrieb „Milln“, in dem Rinder, Schweine und Schafe wachsen und gedeihen. Ihr Qualitätsfleisch gelangt direkt zu den Kund:innen. Ein Weg, der zeigt, wie Tiernähe, Landwirtschaft und bewusster Genuss zusammenpassen.
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  • Redakteur: Maria Raffeiner
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  • Weitere Fotos - 5: Mit genauen Absprachen, einer klaren Arbeitsteilung und zwischendurch einer Pause bewältigt das Ehepaar die vielen anfallenden Arbeiten im Betrieb

„Schöne Landluft“, ruft ein Tourist dem Ehepaar Kofler zu. Sein Cabrio mit Hamburger Kennzeichen hat er am Straßenrand geparkt, um rasch ein Foto von den Kälbern zu schießen, die im Hof herumtollen. Sie gehören zum Aufzuchtbetrieb „Milln“, wie der Hof im Dialekt genannt wird. 800 Meter trennen ihn vom Ortskern von Katharinaberg. An einem Vormittag im späten September dauert es lange, bis die Sonne den Hof erreicht. Den Tieren macht das nichts aus: Hündin Luna macht lautstark auf sich aufmerksam, die Jungrinder vergnügen sich im Freilaufbereich, die Schweine beobachten das Geschehen von ihrem Gehege aus, in der Erde scharrt eine Hühnerschar. Schafe gibt es keine mehr zu sehen, da sie am Vortag geschlachtet wurden.
Über dieses landwirtschaftliche Geschäftsmodell unterhalte ich mich zunächst mit Walter im Stall und Hofraum. Zwischen den Freilaufboxen der Jungrinder nennt er die Eckdaten des Aufzuchtbetriebes: Sie werden bis zu einem Jahr alt und stammen aus dem Schnalstal. Dort ist eigentlich das Tiroler Grauvieh heimisch. Da auf Milln viel Wert gelegt wird auf die Sanftheit der Tiere, bevorzugt man eine Kreuzung von Grauviehkühen mit Stieren der Rasse Limousine. „Das werden keine Riesen“, deutet Walter auf die Rinder mit hellbraunem Fell, „was aber auch mit unserer Fütterung zu tun hat.“ Die sichtlich zufriedenen Tiere wachsen „gemütlich dahin“, wie er sagt. Geburten gibt es hier im Stall keine, dafür in einigen Partnerbetrieben. Etwa auf dem Montferthof, „dort haben sie eine Riesenfreude mit den Tieren“, oder dem Tisenhof über dem Vernagter Stausee. Walter achtet diese Orte: „Was die anderen Leute machen, ist auch schön!“, ist er überzeugt. Nach einem Jahr guter Pflege am Hof begleiten Helene und Walter ihre Jungrinder zum Metzger. Dass dieser Kreislauf geschlossen wird und kein Tier in fremde Hände kommt, ist ihnen überaus wichtig.
Bevor es in die warme Stube geht, schauen wir noch bei den sechs Schweinen vorbei. Nicht alle lassen sich blicken, ihr lustvolles Grunzen schallt über den Hof. „Das ist Trüffel“, stellt Walter ein kugelrundes Exemplar vor. Es hat wie die anderen den Sommer in Langtaufers auf der Kaproner Alm verbracht. Als Walter das Schwein Dicki tätschelt, murmelt er „wild feine Fockn“ und zeigt dann bei der Kreuzung aus Deutschem Landschwein und Pietrain das Ringelschwänzchen her, ein natürliches Detail, auf das in der Massentierhaltung immer öfter verzichtet wird.
Bei Helene in der getäfelten Zirbenstube berichtet er vom Verkauf der Schweine. Trüffel und Hektor gehören schon einem Unternehmer, die anderen können als Fleischpakete erworben werden.
Der Mühlhof, ursprünglich Mühlgut genannt, wurde im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt und ist somit ein uralter Schnalser Bergbauernhof. Walter spricht offen darüber, dass die Hofgeschichte im letzten Jahrhundert „nicht prächtig verlaufen“ sei. Sein Großvater, der Millner Sepp, musste als Rückoptant seiner Schwester den Hof abkaufen. Ein harter Start für die nächste Generation, den Millner Hans, Walters Vater. Ihm machte außerdem ein Autounfall im Jahr 1975 die Arbeit in den steilen Wiesen unmöglich. Daraufhin musste der Millner Walter, 1970 geboren, schon als Bub Aufgaben auf dem Hof übernehmen. Sein Vater setzte auf einen neuen Erwerbszweig, indem er Zimmer sanierte und, wie man heute sagt, Urlaub auf dem Bauernhof anbot. Das Erfolgsmodell zog ab 1978 viele Gäste an. Mit der Volljährigkeit übernahm Walter den Hof, wobei die Stallarbeit bei den Milchkühen noch lange seine Eltern verrichteten. Er war bei der Gletscherbahn angestellt. 1999 zog seine spätere Frau Helene Stecher zu ihm auf den Mühlhof. Aus Zerkaser in Langtaufers stammend, war sie vom engfelsigen Taleingang des Schnalstals eigentlich wenig angetan. Lachend sagt sie heute „wo die Liebe hinfällt“ und schenkt Kaffee auf. Mit der Geburt der beiden Töchter Katharina und Magdalena zog die dritte Generation auf Milln ein. Man entschied, die Zimmervermietung 2009 aufzugeben, den Erbhof zu sanieren und eine barrierefreie Wohnung für Walters Eltern zu errichten. Die Außenfassade ist geblieben, innen wurde das Haus ausgehöhlt und in Ständerbauweise neu errichtet.
Überdacht wurde dann auch die Landwirtschaft. Walter beobachtete die Entwicklung, die sich ihm mit der milchproduzierenden Braunviehrasse im Anbindestall zeigte. „Eine Kuh steht auf und fällt dort mit 600 kg nieder. Es werden sich Gelenksprobleme einstellen“, spricht er die Tiergesundheit an. Zusammen mit seiner Frau wollte er einen anderen Weg einschlagen. Bloß welchen? Sie kauften Jura Schafe, nicht die traditionellen Schnalser Schafe. „Eppas Extrigs“, suchte das Ehepaar Kofler, Helene haben die „kleinen schwarzen Pamperlen“ gut gefallen. Vor 10 Jahren stellten sie auf das Jungrindsystem um. Die letzte Kuh verließ den Stall. Ein emotionaler Moment? „Wir vergessen nichts, was war“, ist Walter mit allen Etappen der Hofentwicklung im Reinen. Heute arbeitet er nachmittags in der Texel Obstgenossenschaft, während Helene auf dem Hof die Stellung hält und die Tiere versorgt. Wie ist das, sich von Tieren nach einem Jahr trennen zu müssen? Nicht einfach, vor allem für die beiden Töchter nicht. Doch im Wissen, die Tiere bestmöglich begleitet zu haben, kommen die Hofinhaber damit zurecht. „Das ist unser Tier, wir betreuen es bis zum Schluss“, beschreibt Helene Bindung und Verantwortung. Die Direktvermarktung vom Fleisch funktioniert über Mundwerbung, denn gute Qualität spricht sich herum. Unter den Abnehmern ist das Sternerestaurant Kuppelrain in Kastelbell. „Der Ulli gehört dem Jörg“, lautet die knappe Beschreibung von Walter. Ein Jungrind wird also für Familie Trafoier aufgezogen, die die Arbeit der Bauersleute und das hochwertige Produkt zu schätzen weiß. Das sei ein Glücksfall, man danke aber genauso den Abnehmer:innen von kleineren Fleischpaketen, die auf Wunsch portioniert werden. Walter unterstreicht, dass man sich über die Herkunft eines Nahrungsmittels Gedanken machen dürfe. Nicht alles sei sofort verfügbar, manches brauche Zeit zum Wachsen. Je früher Konsument:innen und Gastronomie ihren Bedarf erheben und mit Bauern in Kontakt treten, desto natürlicher sei das Produkt. Und es verleihe den aufwändigen Arbeiten auf den 3,5 ha des Hofes und der Tierpflege Sinn und Würde. Daraus ergebe sich etwas von hohem Wert: „ein echtes Nahrungsmittel.“
Vor dem Bauernhaus, direkt an der Straße nach Katharinaberg, fließt gerade kein Verkehr. Vom Hofraum erklingen lustige Tierlaute, so klingen spielende Kälber. „Maxl!“, mahnt Helene ein übermütiges Kalb. Noch ein paar Meter, dann liegt Milln im Sonnenlicht und damit auch die steilen Wiesen, die unterhalb der Straße abfallen. Dort stand einst eine Mühle, woran der Hofname „Milln“ erinnert.

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Die 15. Südtiroler Alpkäseverkostung

  • Vorspann: Inser Kas Fürstenburg/Mals - Die Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg, der Sennereiverband Südtirol und die Arbeitsgemeinschaft Vinschgauer Sennalmen luden am Samstag, den 3. Oktober zur 15. Alpkäseverkostung und Prämierung der Alpkäse in die Fürstenburg nach Burgeis. Dabei wurde bekannt, dass es demnächst einen neuen Amtsdirektor im Bezirksamt für Landwirtschaft in Schlanders und bei der Almberatung im Sennereiverband geben wird.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Heinrich Zoderer
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  • Weitere Fotos - 1: Prämierung der Alpkäse mit der Bewertung: Sehr gut
  • Weitere Fotos - 2: Publikumsverkostung für alle Interessierten in der Fürstenburg
  • Weitere Fotos - 3: Publikumsverkostung für alle Interessierten in der Fürstenburg
  • Weitere Fotos - 4: Personalwechsel im Sennereiverband und im Bezirksamt für Landwirtschaft in Schlanders: v. l.: Matthias Ziernhöld, Bertram Stecher, Markus Joos

Von 14:00 bis 16:00 Uhr waren alle Interessierten eingeladen, frischen Alpkäse von 34 Almen, davon 24 aus dem Vinschgau, 5 aus anderen Tälern Südtirols und 5 aus dem Bezirk Landeck zu verkosten und zu bewerten. Bereits am Vormittag nahm eine 12-köpfige Jury aus der Terra Raetica ihre Bewertungen vor. Um 16:30 Uhr konnte Monika Aondio, die Direktorin der Fürstenburg, das interessierte Publikum, die anwesenden Senner und Sennerinnen und die Obmänner der Alminteressentschaften begrüßen und die Prämierung der Alpkäse eröffnen. Markus Joos, der langjährige Amtsdirektor vom Bezirksamt für Landwirtschaft in Schlanders, gab einen Überblick über die Almwirtschaft im Vinschgau und darüber hinaus. In diesem Jahr gab es 1.314 Kühe, 174 Ziegen und 400 Schweine auf den 25 Almen im Vinschgau. Rund 70 Personen, davon ca. 44% Frauen, waren auf den Almen beschäftigt und haben 115.300 kg Käse und 12.600 kg Butter erzeugt. Bertram Stecher, Fachberater der Sennereien und Almen im Sennereiverband, meinte, dass der Sommer zu trocken und zu warm war. Damit erfolgt die Reifung der Käselaibe zu schnell, was Auswirkungen auf die Qualität hat. In Zukunft wird es Investitionen brauchen, um eine aktive Kühlung zu garantieren, so Stecher. Angesprochen wurde auch die Wasserknappheit, die zunehmende Bürokratie und der relativ häufige Personalwechsel. Tagessieger wurde die Kortscher Alm mit dem Senn Florian Plattner. Mit Ausgezeichnet bewertet wurde außerdem die Brugger Alm (Burgeis), die Mitteralm (Taufers i.M.), die Rifairer Alm (Taufers i.M.) und die beiden Ziegenalmen in Schlanders und die Ochsenbergalm in Langtaufers. Den Publikumspreis erhielten Dominik Paulmichl von der Bruggeralm und Simon Gufler von der Timmelsalm in Moos in Passeier. Im Namen der Arbeitsgemeinschaft Vinschgauer Sennalmen dankte Markus Joos dem Berater Bertram Stecher für seine 25-jährige Beratertätigkeit und teilte auch gleich mit, dass Bertram Stecher sein Nachfolger als Amtsdirektor vom Bezirksamt für Landwirtschaft in Schlanders wird. Auch Annemarie Kaser, Direktorin im Sennereiverband Südtirol, bedankte sich bei Bertram Stecher und stellte Matthias Ziernhöld als neuen Alm-Berater im Sennereiverband vor. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom jungen Ziehharmonikaspieler Elia Prugger.

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Tradition trifft Leidenschaft

  • Vorspann: Plauserhof in Kortsch Der Plauserhof steht – anders als es der Name vermuten lässt – in Kortsch. Neben Äpfeln werden hier auch Trauben angebaut und gekeltert. Klaus Wellenzohn und Sohn Max sind ein eingespieltes Team. Für beide ist Wein zur Leidenschaft und zum schönsten Hobby geworden.
  • Dachzeile: Spezial-Landwirtschaft
  • Redakteur: Angelika Ploner
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  • Weitere Fotos - 1: Bei der Arbeit im Weinberg - alles ist mühevolle Handarbeit
  • Weitere Fotos - 2: Weinkeller am Plauserhof

Die Wurzeln des Plauserhofs in Kortsch reichen Jahrhunderte zurück. Die Grundmauern sind auf das Jahr 1390 datiert, mit großer Wahrscheinlichkeit aber älter. „Der Name Plauserhof leitet sich vermutlich von Adelheid Plauserin ab. Sie war etwa im 16. Jahrhundert auf dem Betrieb tätig. Man vermutet, dass sich daraus im Laufe der Zeit der Name entwickelt hat“, erklärt Max Wellenzohn dem Vinschgerwind. Mit ihm ist am Plauserhof bereits die nächste Generation am Start. Er hat seine Ausbildung an der Fachschule Laimburg absolviert und dort seine Passion für Trauben und Wein keltern entdeckt. Diese Passion hat er mit der Ausbildung zum Diplom-Sommelier gekrönt.

Wein anbauen hat am Plauserhof eigentlich Tradition. Seit über drei Jahrzehnten baut Klaus Wellenzohn Eigenbauweine an. „Früher“, erzählt er, „sind die Arbeiter mit Wein bezahlt worden. Wein war ein wertvolles Gut.“ Eine Zeitlang - vor allem während des zweiten Weltkriegs - wurde in den Stehlen, dort, wo heute die Weinreben gedeihen, sogar Reis angebaut. Das hatte schlicht und einfach mit der Versorgungsnot zu tun. Dass seit 2023 Wein nun eine größere Rolle und vor allem zum Verkauf gekeltert und abgefüllt wird, ist Max zuzuschreiben. Der 22-Jährige stellt sich in die Reihe jener jungen, engagierten Vinschger Winzer, die die Tradition hoch halten und mit Begeisterung Neues ausprobieren.

Und apropos Neues: Heuer hat Max einen Passito, einen köstlichen Süßwein, „eigentlich einen Nachtisch-Wein“ produziert. „Beim Passito wird die Ernte bewusst etwas früher durchgeführt. Der Grund dafür ist, dass die Trauben bei einer späteren Ernte zu viel Säure verlieren würden. Es geht also darum, einen zu starken Säureabbau zu vermeiden und eine gute Säurestruktur im späteren Passito zu erhalten“, erklärt Max. Die handverlesenen Trauben werden in kleinen Kisten für einige Wochen zum Trocknen gelegt, bevor sie vinifiziert werden. Voraussetzung, um einen Passito zu vinifizieren: Die Trauben müssen von einwandfreier Qualität sein, makellos sozusagen.

Am Plauserhof versteht man es, Weine mit unverkennbarer Handschrift zu erzeugen. Das hat auch mit den Lagen zu tun. Die meisten Anbauflächen des Hofes liegen auf den Terrassen oberhalb von Vetzan, weitere direkt neben der Hofstelle, im sogenannten Wellenzohn-Anger. Insgesamt wird auf rund 1,2 Hektar Wein angebaut. Die Fläche wurde in den vergangenen Jahren sukzessive vergrößert, ursprünglich waren es 4.000 Quadratmeter. Dass einheimische gebietstypische Traubensorten anbauen werden, darauf wird Wert gelegt. Hier in den Steillagen am Vinschger Sonnenberg, bei viel Sonnenschein und der Wärme der Steinmauern, werden Kerner, Blau- und Weißburgunder und Zweigelt angebaut. „Die Hälfte unserer Reben sind auf Stehlen“, sagen Klaus und Max Wellenzohn. Das bedeutet viel Handarbeit. Als Belohnung für die ganzjährige mühevolle Handarbeit im Weinberg reifen später im Keller säurebetonte, mineralische, facettenreiche und qualitativ hochwertige Weine heran.

Der Zweigelt rosè ist der erste Wein, der am Plauserhof im Herbst gewimmt wird. Die Trauben werden zum perfekten Zeitpunkt von Hand gelesen, dann, wenn sie die technologische und phenolische Reife erlangt haben. Den Rosè zeichnet eine feine Säure aus. „Er ist saftig und lebendig“, sagt Max. Nur reinsortige Weine werden gekeltert. Kerner ist die Hauptsorte hier am Plauserhof, gefolgt vom Blauburgunder. Während der Weißburgunder im Stahltank ausgebaut und auf Feinhefe reift, entfalten der Blauburgunder im fünf Jahre alten Eichen-Holzfass und der Zweigelt im Barrique-Fass ihre Aromen. Dass die Holzfässer mehrere Jahre alt sind, hat einen guten Grund: Max und Klaus Wellenzohn wollen nicht den Holzgeschmack in ihren Weinen haben. Fein, elegant und harmonisch überzeugt der Blauburgunder, kraftvoll der Kerner und frisch und mineralisch der Weißburgunder.

Verarbeitung und Lager finden im beeindruckenden Keller des Plauserhofes statt. In den vergangenen fünf Jahren wurden in harter Arbeit die verschiedenen Kellergewölbe ausgebaut, ein Barriquekeller, ein Abfüllraum, ein Stahlfässer- und ein Verkostungsraum eingerichtet. Die Steinmauern wurden in liebevoller Kleinarbeit freigelegt und saniert. Unter Holzbalken und umgeben von eben jenen, urigen Steinmauern dürfen hier in einer einzigartigen Atmosphäre die fünf Weine des Plauserhofes verkostet werden. Im Lagerraum finden sich die 7.000 – 8.000 Flaschen, die jährlich gekeltert werden. Bilder und Werke vom Eyrser Künstler Thomas Biedermann zieren die Wände. Auch das Logo, das die Weinflaschen ziert, stammt aus der Feder von Biedermann. Es ist dies ein Rabe, ein „Ropp“, weil viele Stehlen des Plauserhofes am sogenannten „Roppm-Wool“ bei Vetzan liegen. Das Wasser für die Tropf-Bewässerung in den Stehlen wird genau aus diesem „Roppmwaal“ bezogen. Seinen Namen verdankt der Waal den Raben, die dort vielfach nach Futter suchen. Die Wellenlinie auf dem Logo deutet hingegen auf den Waal selbst hin.

„Heuer ist ein gutes Wein-Jahr“, sagt Max Wellenzohn. Klimatisch perfekt sei das trockene Jahr für die Traube gewesen. Seit 2025 ist Max allein für den Weinausbau im Keller verantwortlich. Auch dafür, die Charakteristik des Gebietes, die Facetten des Vinschaus, herauszuarbeiten. „Die Weine“, sagt er „sollen so sein wie unser Gebiet es ist, sollen Ausdruck und Spiegelbild des Vinschgaus sein.“ Aus einem Wein mehr zu machen, als es das Gebiet hergibt, sei falsch, sagt er. Für den Vinschgau heißt das: aromatische, frische, mineralische Weine. Die Mischung aus Kalk und Schieferböden bringt säurebetonte Weine hervor.
Größer wolle man nicht werden, betonen Max und Klaus Wellenzohn. Man hätte jetzt genau die richtige Größe als kleines Weingut erreicht. Die Weine werden ab Hof verkauft oder sind in der ausgewählten Gastronomie zu finden. Verkostungen gibt es mit Terminvereinbarung.

Kontakt:
+39 3442582343
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